Verdoppelung der Fahrgastzahlen im ÖPNV

Veröffentlicht am 25.04.2024 in Fraktion
 

Die SPD-Gemeinderatsfraktion beantragt, die Stadtverwaltung zu beauftragen eine Strategie zu entwickeln, wie eine   Verdoppelung der Fahrgastzahlen im Stadtbusverkehr erreicht werden kann.

Begründung:

Die SPD-Gemeinderatsfraktion hat in dieser Legislaturperiode bereits zweimal mündlich einen entsprechenden Antrag im Lörracher Gemeinderat gestellt. Diese blieben bis heute von der Stadtverwaltung unbeachtet.

Während für den Radverkehr die Fahrradstrategie 2025+ mit dem Ziel der Verdoppelung des Radverkehrs entwickelt wurde, fehlt eine entsprechende Zielvorgabe und Strategie für den Stadtbusverkehr.

Aber auch dem öffentlichen Nahverkehr kommt eine entscheidende Bedeutung bei der Verkehrswende zu, nicht nur dem Radverkehr. Kommunal können insbesondere im Stadtbusverkehr Anreize geschaffen werden um vom PKW auf den Bus umzusteigen. Kommunaler, wirksamer Klimaschutz erfordert zügige Verbesserungen im ÖPNV. Der ÖPNV ist für das Erreichen der vom Gemeinderat beschlossenen Klimaziele auch in Lörrach elementar wichtig. Ein guter öffentlicher Verkehr, gewährleistet aber auch einen sozialverträglichen Beitrag zum Klimaschutz. 

Die Prioritäten müssen sich daher ändern: Es bedarf eines gut getakteten, aufeinander abgestimmten und vernetzten Stadtbusverkehrs, der mit anderen Mobilitätsangeboten attraktiv verknüpft wird. Die Pendler brauchen eine zuverlässige, direkte und bezahlbare Alternative, damit sie vom eigenen Auto auf den ÖPNV umsteigen. Dafür ist es notwendig, das Verkehrsangebot des Stadtbusverkehrs vor allem auch aus der Perspektive und den Bedürfnissen der Fahrgäste weiter zu entwickeln. 

Um die Verkehrswende im Stadtbusverkehr voranzubringen und den Umstieg auf den Umweltverbund zu fördern sollten verschiedene Maßnahmen strategisch angegangen und sukzessive umgesetzt und/oder weiterentwickelt werden, wie beispielsweise die Digitalisierung, die Wiedereinführung des 1-EUR-Ticket, Entwicklung einer Mobilitätskarte für alle Verkehrsangebote in der Stadt und ggf. über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus, Entwicklung eines eigenen Stadtbusmarketingkonzeptes, Parkraumbewirtschaftung, die Förderung des multimodalen Zusammenspiels von ÖPNV und Rad durch Fahrradabstellanlagen und Fahrradmietstationen an Bushaltestellen und S-Bahn-Haltepunkten, barrierefreie Zu- und Abgänge, barrierefreie Kommunikation, Vorrangschaltung für den Busverkehr an Ampeln, Busspur, Serviceleistungen für Fahrgäste etc.

Vorrangig bedarf es zunächst der Aufwertung des Stadtbusverkehrs durch eine Stadtbusstrategie 2030+. Vorhandene Potenziale zur Ausgestaltung eines qualitativ hochwertigeren, komfortableren Busverkehrs und zur Kapazitätsverdichtung im Bestandsnetz können kurz- und mittelfristig für spürbare Verbesserungen genutzt werden. Langfristig braucht es größere Investitionen in den Ausbau des Busnetzes und der Anschaffung neuer Fahrzeuge mit klimafreundlichen Antrieben unter Inanspruchnahme von Fördergeldern.

Bei der repräsentativen Befragung zum Mobilitätsverhalten der Lörracher im Jahr 2016 mit 767 Haushalten und insgesamt 1.793 Personen wurde für den ÖPNV ein Modal Split-Anteil von 7,1 % beim Verkehrsaufkommen ermittelt. Dabei entfallen 2,9 % auf den Busverkehr, 3,8 % auf den Schienennahverkehr und 0,4 % auf den Fernverkehr. Mit dem Öffentlichen Nahverkehr wird die Verkehrsleistung allerdings zu 18 % zurückgelegt, davon das meiste durch den Fernverkehr.

Das innerstädtische Umstiegs-Potenzial auf Bus und S-Bahn ist noch lange nicht ausgeschöpft. Eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen im Stadtbusverkehr, aber auch der S-Bahn und dem gesamten ÖPNV, ist eine wichtige strategische Aufgabe der kommenden Jahre zu der auch die Stadt Lörrach aktiv ihren Beitrag leisten muss.

Im ISEK 2040 wurde die Mobilitätsentwicklung als Kernthema im Kampf gegen den Klimawandel festgehalten. Die Entwicklung einer Strategie zur Verdopplung der Fahrgastzahlen im Stadtbusverkehr ist ein weiterer Meilenstein zur Erreichung der Klimaziele in unserer Stadt.